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„Better Than Game of Thrones“: Benutzeranleitung

Wenn ihr auf dieser Seite seid, dann möchte ich euch zuerst herzlich gratulieren! Wenn ihr die Zeit schon genommen habt, bis hier zu kommen, ab diesem Punkt wird es nur noch süsser und angenehmer.

(Bei allen Songs gibt es auch einen Grund, warum ich genau diese(n) Interpreten gewählt habe. Man könnte noch einen zweiten, und sogar längeren, Text darüber schreiben. Das aber erspare ich euch :))

Also, voila:

1. P. Tschaikowski, Klavierkonzert in B-Moll. Hört einfach diese wunderschönen, glühenden Wellen, die im Orchester entstehen. Die Harmonie im Klavierpart (um 0:56) ist sehr schön. Eins von den schwierigsten (und bekanntesten) Stücke, die fürs Klavier jemals geschrieben wurden. Schaut auch, wie elegant die Übergänge zwischen verschiedenen Themen sich anhören. [Hört unbedingt bis mindestens 2:21, aber um 4:22 kommt etwas völlig unerwartetes].

2. R. Wagner, „Die Walküre,“ 3. Akt. Natürlich sehr bekannt, und etwas politisch umstritten aus verschiedenen und komplizierten Gründen. Wagner war ein grosser Fan von Musik, die mit bestimmten Charakteren oder Phänomenen verbunden ist (Leitmotiven). Dieses Fragment soll das Fliegen von Walküren (mythologische Frauen-Geister, welche u.a. besonders mutigen Kämpfern helfen) illustrieren. [Ab 2:36 wird es ein kleines bisschen weniger spektakulär. Aber wenn ihr eine gute Erklärung möchtet von dem, wieso es Menschen gibt (und darunter auch die Autorin), die 5+ Stunden im August in einem Operntheater ohne Lüftung zu verbringen bereit sind, die findet ihr hier.]

3. J. Brahms, Klavierkonzert in B-Dur. Teil II. Noch ein Beispiel aus der romantischen Periode, aus der auch (1) stammt. Achtet darauf, wie das Anfangsthema in ganz verschiedenen Formen immer wieder vorkommt. Und die Orchestrierung (=was von welchen Instrumenten (wann) gespielt wird) ist, mit all diesen Blasinstrumenten, einfach schön. [Um 3:22 gibt es Neues, auch wenn ihr nach der ersten Minute glauben könnt, dass ihr schon alles gehört habt, was später vorkommen wird. Und um 3:40 wird es wieder spektakulär].

4. G. Puccini, „La Fanciulla del West“: „Una parola sola!“ Aus einer Oper über den Wild West (!). Im Moment, wo dies gesungen wird, hat es sich plötzlich herausgestellt, dass der Protagonist, welcher der Protagonistin extrem gefällt und befindet sich in ihrem Schlafzimmer, eigentlich der „Most Wanted“ Bandit ist, den die ganze Polizei in der Region sucht. Er erklärt, dass er nur noch gute Absichten hat, sein Leben gerne ändern würde und es wirklich bedauert, dass die Protagonistin ihn in seinem heutigen Zustand kennengelernt hat. Trotz der etwas komischen Plot-Twists ist das aber eine der schönsten Verismo (Musik- und Literaturtradition, in der Leidenschaften und Emotionen mit maximalem Realismus geschildert werden) Arien aller Zeiten.

5. S. Rachmaninoff, Präludium in G-Moll (Op. 23, No.5). Ein Wort: Harmonie! Ist es wert, die 4 Minuten sich anzuhören. Um 1:30 kommt ein neues Thema hinzu.

6. G. Puccini, „Tosca“: „E Lucevan Le Stelle“ Noch eine Puccini-Oper (wie (4)). Hier geht es um ein politisches Komplott in Rom, nach Napoleons Invasion von Italien. In dieser Arie erinnert sich der Protagonist (welcher am Komplott beteiligt ist, und später tragisch stirbt) an die schönen Momente, die er mit der Protagonistin, Tosca, an schönen Sommerabenden unter den Sternen verbracht hat.

7. S. Prokofiev, Klaviersonate in D-Moll, Teil IV. Harmonie! Um 1:43 wird es überraschend melancholisch (aber es dauert nicht allzu lange). Und das, was um 2:20 passiert, ist (IMHO) einfach cool. Die ganzen 4:36 sind es wert.

8. J. Massenet, „Werther“: „Pourquoi me reveiller?“ Und zurück zur romantischen Periode. „Werther“ basiert auf Goethes „Die Leiden des jungen Werthers.“ In dieser Arie möchte Werther wortwörtlich aus einem schönen Schlaf nicht erweckt werden. In diesem Schlaf sieht er sich zusammen mit der Frau, die er liebt und die im Realleben einen anderen geheiratet hat. Diese Spannung zwischen dem Süssen in seinem Traum und der drohenden Wirklichkeit spürt man sogar ohne die tatsächlichen Wörter zu verstehen.

9. L.v. Beethoven, Klaviersonate in C-Moll (op.13), Teil III. Einfach ein schönes Beethoven-Stück. Eine viel „normalere“ und klassischere Klaviersonate als (7), extrem elegant (und, IMHO, spannend).

10. G. Verdi, „Otello“: „Gia nella notte densa“. Otello basiert natürlich auf Shakespeares blutiger Geschichte von Verrat und Eifersucht. Aber im Moment, wo dieses Duett [ja ja, ab 2:02 gibt es auch die Stimme von einer Frau] stattfindet, ist alles zwischen der Protagonistin und dem Protagonisten noch voll in Ordnung. Er erinnert sich an sein hartes Leben, das dank der Protagonistin und ihrer Liebe fast perfekt geworden ist. Effektiv ist das ein (wunderschönes) Opernäquivalent von einer Liebesszene. Um 3:40 wird es spannend. Ab 5:15 wird es einfach wahnsinnig schön und lyrisch.

11. L.v. Beethoven, Klaviersonate in cis*-Moll (op.27, no. 2), Teil III. Und nochmals Beethoven, jetzt in einer energischeren Form, die eigentlich keine besonderen Kommentare braucht.

*trans gibt es leider nicht :)

12. G. Bizet, „Carmen“: Habanera: Vielleicht die bekannteste Arie, gesungen von (wahrscheinlich) der bekanntesten Opernsängerin aller Zeiten, Maria Callas. Natürlich geht es (auch hier) um die Liebe, welche ein (sehr) freier Vogel ist: „Wenn du mich nicht liebst, liebe ich dich“ und umgekehrt.

13. F. Chopin, Klaviersonate in H-Moll, Teil I. Und noch ein romantisches Stück, diesmal von Chopin. Achtet auf die Harmonie. Das, was in der linken Hand (in den tieferen Tönen) um 0:50 passiert, ist interessant. Sonst ist das ein typisches Chopin-Stück: eine sehr melancholische Linie, zu der neue Ideen immer wieder hinzugefügt werden, mit theatralischen und spannenden Akkorden, die nur noch lange genug dauern, um vorübergehend zu überraschen (auch ohne dass man es versteht). Schaut auch auf die Melodie! Das ist auch eine Besonderheit von Chopin: Immer wieder kommen Noten mit verschiedensten Versetzungszeichen, d.h. solche, die ausserhalb der vorgegebenen harmonischen Logik (Tonart) liegen. Diese fliegen auch vorbei und hinterlassen eine delikaten, süsse und etwas magische Erinnerung.

14. G. Puccini, „Manon Lescaut“: „Ah, Manon, mi tradisci…“ Und noch eine Puccini-Arie, diesmal aus einer (genau so dramatischen wie die in (4) und (6)) Geschichte über Geld, Betrug und (natürlich) Liebe. In dieser Arie bedauert der Protagonist, dass die Protagonistin, Manon, der Liebe halber auf Reichtum nicht verzichten kann. Weitere Kommentare einfach nicht nötig.

15. F. Schubert, Impromptu in ges-Dur (op. 90, #3). Und zum Schluss noch ein bisschen Schubert. Keine Sonate, und deshalb auch keine rigide Form und endlose Themen-Permutationen (wie in (7), (9), (11), (13)). Elegant und doch anrührend.